Aktuelle Ausgabe

Die Lofoten-Runde – Ein Mittsommer-Nordland-Abenteuer

Lofoten-kajak-ReineNur ein Stück um die Lofoten paddeln kommt nicht in Frage. »Wenn schon, dann richtig«, sagte sich Jörg Knorr und umrundete im Sommer 2013 ein Mal komplett das Nordland-Archipel im Polarmeer. Die Bergkulisse der Lofoten ist einzigartig, das Paddelgebiet lässt nie Langeweile aufkommen, die Sonne scheint 24 Stunden und auf abgelegenen Traum-Zeltplätzen fällt es nicht schwer, mit sich und der Welt zufrieden zu sein. Genügend Gründe, um sich auf den Weg nach Norden zu machen.

Umbuchung nicht vorgesehen

Malli ist dran mit Fahren. Ich wechsle nach einer Pinkelpause auf den Beifahrersitz. Wir wollen noch ein paar hundert Kilometer weiter nach Norden fahren. Über 1.000 Kilometer liegen schon hinter uns. Mein Freund Malli wird sich in einer Woche mit Angelfreunden in Norwegen treffen. Sein Angebot, mich zu den Lofoten zu fahren, habe ich gern angenommen. Das eigene Auto würde hier nur sinnlos rumstehen und die Versuchung, bei schlechtem Wetter vorzeitig nach Hause zu fahren, wäre zu groß. Wie auch immer, die Rückreise mit Hurtigruten ab Stokmarknes ist gebucht. Am 1. Juli. Eine Umbuchung ist nicht vorgesehen und auch ganz bewusst nicht gewollt. Ich will drei Wochen Lofoten, egal wie das Wetter wird. Das Beste hoffen und auf das schlimmste gefasst sein! Mit dieser Reisephilosophie sollte es klappen.

Angekommen

Das ablaufende Wasser zieht mich aus dem Vatnfjord nördlich von Svolvær heraus. Es ist der 11. Juni. Noch zehn Tage bis Mittsommer. Die Sonne scheint, es weht nur ein schwacher Wind. Kein schlechter Anfang. Blauer Himmel, weißer Strand, grüne Wiese, violett und gelb strahlende Blüten zwischen den Felsbrocken und im Hintergrund die typischen Lofoten-Felsen. Pause am Sandstrand. Die Seele baumelt ganz weit oben. Durch den Gimsøystraumen paddle ich weiter nach Süden, um der SO-Küste Vestvågøyas zu folgen. Viele kleine Inseln um mich herum. Viele Wege führen durch das Labyrinth. Ständig ergeben sich neue Aussichten. Selbst im Boot sitzend kann ich die 40 Kilometer entfernte Bergkette am norwegischen Festland deutlich erkennen. Die Sicht ist großartig.

Stamsund und Ballstad auf Vestvågøya liegen hinter mir. Flakstadøyas Südküste streife ich vergleichsweise kurz. In Reine mache ich einen Landgang. Der Ort liegt wunderschön direkt an den Füßen steiler Bergabhänge. Bis über 1.000 Meter ragen die markant gezackten Gipfel empor. Nach einem kleinen Rundgang durch das Fischerdorf lasse ich mir im Hafen die Sonne auf den Rücken brennen und gönne mir einen Kaffee. Nicht auszuhalten, wenn das Wetter so bleibt! Die letzte Siedlung an Moskenesøyas Ostküste ist das kleine, etwas verschlafen wirkende Dorf Å. Wenn manche Ortsnamen sich vielleicht schwer merken lassen, Å macht es selbst Fremden leicht, sich zu erinnern.

Lofoten-kajak

Mein Strand

Å und die Zivilisation bleiben vorerst hinter mir. Ab heute wird Westküste gepaddelt. Dort soll es die schönsten Strände der Lofoten geben. Hellsegga, das Südkap Moskenesøyas, wird ohne Umwege direkt umrundet. Einen Abstecher nach Sørland zu paddeln hieße, den Moskenstraumen (Malstrom) zu queren. Da ich weder Gezeitentabellen, noch nähere Infos zu den Strömungsbedingungen habe, verzichte ich darauf. Die Wellen werden höher und länger. Ein sachtes Auf und Ab wird zum ständigen Begleiter. Ungemütlicher wird es, wenn man zu nah an der fast senkrechten Felswand paddelt. Die reflektierten Wellen überlagern sich und das Ergebnis sind hoch aufschießende Wellenberge mit steilen kurzen Flanken. Also Abstand halten! Der Blick auf die Lofotwand ist von weiter draußen ohnehin beeindruckender. Leider hat der Wind aufgefrischt. Rechts von mir ragt der Hermannsdalstinden, mit 1.029 Meter der höchste Berg der Westlofoten, auf. Die Arme werden schwerer und ich hoffe, bald einen der weißen Sandstrände zu erreichen.

Text/Bilder: Jörg Knorr

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in Ausgabe 03/2014 des kajak-Magazins.

Share