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Paddeln all’italiana: Wildwasser in den italienischen Seealpen

035-Italie-Corsaglia-0411Während sich jedes Frühjahr Hunderte von Paddlern nach Korsika oder an die Ardèche aufmachen, überlegt man sich schon mal, ob es nicht auch Alternativen gibt, die nicht so überlaufen, aber trotzdem schön sind. Für all jene, die solche neuen Paddelgebiete suchen, bieten sich die italienischen Seealpen an, die durchweg Wildwasser der einfacheren Sorte bieten, landschaftlich toll sind und auch den eventuell mitreisenden, nicht paddelnden Familienangehörigen einiges zu bieten haben.

Paddelbare Flüsse gibt es in den Seealpen zuhauf. Ich beschränke mich daher auf die Bäche, die ich selbst gefahren bin: Corsaglia, Gesso, Maira, Vermenagna und Tanaro – allesamt Wildwasser der Schwierigkeit II–III bei mittleren Wasserständen.

Die Seealpen (auch Meeralpen genannt), zu denen die französischen Départements Alpes-Maritimes und Alpes-de-Haute-Provence, die italienische Region Piemont und das Fürstentum Monaco zählen, sind eine Gebirgsgruppe der südlichen Westalpen. Mit 3.297 Metern ist der Monte Argentera der höchste Gipfel. Die wichtigsten Flüsse verlaufen nach Norden in Richtung Poebene, hierzu gehört unter anderem der Tanaro.

Die Grüne: Die untere Corsaglia Strecke: Von Torre Mondovi bis Lesegno

Im Gegensatz zum oberen Teil der Corsaglia, der WW III–IV bieten soll, ist der untere Teil eher leicht bis maximal WW II+. Der Einstieg befindet sich mitten im Dorf Torre Mondovi an einer auf alt getrimmten Steinbrücke. Unsere Paddelgruppe ist eine Attraktion für die Anwohner, die uns bis zur Abfahrt – mit Ausnahme einer kleinen Mittagspause – ständig beobachten und ihren Kindern erklären, dass das, was wir vorhätten, seeehr pericoloso (sprich: gefährlich) sei. Wir lassen uns davon aber nicht abschrecken, weil wir den Flussführer genau studiert haben und daher wissen, dass die Corsaglia ab Torre Mondovi keine gefährlichen Stellen für uns hat.

Der Bach fließt auch tatsächlich mit wenig Gefälle sehr schön durch Wälder. Ab und zu gibt es ein paar Schwälle und dekorativ mit Efeu bewachsene Felswände. An einigen Stellen fühlt man sich fast an die Ardèche erinnert. Auf der Strecke gibt es leider zwei unfahrbare Wehre, die man umtragen muss. Der Wermutstropfen ist das letzte Wehr, bei dem die Italiener leider fast das komplette Wasser ableiten, so dass man, wenn man Pech hat wie wir, den letzten Kilometer bis zum Ausstieg treideln muss. Dieser liegt direkt an der Landstraße Nr. 60 und man muss die Boote nicht weit tragen.

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Der Steinige: Der Gesso Strecke: Von Gesso della Barra bis Andenno

Der Gesso ist ein ganz anderes Kaliber als die Corsaglia, da er erstens supersauber ist – Köcherfliegenlarven in Mengen beweisen das am Einstieg – und zweitens auch eher verblockt und unübersichtlich. Allerdings ist bei niedrigen Wasserständen kaum Wasserwucht vorhanden und man kann sich gut von Kehrwasser zu Kehrwasser vortasten. Zudem ist er landschaftlich noch deutlich reizvoller als die untere Corsaglia.

Der Einstieg liegt an einer Straßenbrücke, bei der man gut parken und die Boote nach kurzem Weg zu einer weiteren Brücke eine steile Treppe zum Fluss hinuntertragen kann. Dann geht es sehr verblockt zwischen großen Steinen los und man hat kaum Zeit, auf die Gegend zu achten. Vor allem Baumhindernisse bilden hier eine Gefahr. Nach etwa zwei Kilometern öffnet sich das Tal und der Gesso della Barra tut sich mit dem Gesso della Valletta zusammen. Ab hier hat man dann mal Zeit, auf die tolle Umgebung zu achten, ein im Frühjahr von schneebedeckten Bergen umsäumtes Tal. Die Schwierigkeiten bestehen hier eher aus nach Kurven plötzlich auftauchenden Schwällen, die aber alle auf Sicht fahrbar sind. Auf diesem Streckenteil gibt es auch sehr viele Stellen, um Kehrwasserfahren zu üben oder ein bisschen zu playboaten.

Der Ausstieg kommt dann eigentlich viel zu früh bei Andonno auf der linken Seite vor einem unfahrbaren Wehr an der Brücke einer kleinen Straße, die auf der Höhe des Dorfes Andonno nach Roschia abzweigt...

Text/Bilder: Martina Pohl-Elser

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in Ausgabe 03/2014 des kajak-Magazins.

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