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Schweriner See – Schlosstour in Mecklenburg-Vorpommern

schwerin2Sightseeing oder Landschaftserlebnis – man kann es sich aussuchen oder beides miteinander kombinieren. Eine Paddeltour auf dem Schweriner See bietet viele Möglichkeiten, sich Natur und Kultur zu nähern. Jörg Knorr hat den See an einem Wochenende von der Wasserseite aus erkundet.

Zugegeben, das Wetter war nur suboptimal – ein Umstand, den man während einer März-Tour einkalkulieren muss. Dafür kann man zu dieser Jahreszeit wirkliche Ruhe genießen, da die Sportboot-Kapitäne noch mit den Vorbereitungen ihrer Boote und Schiffe beschäftigt sind, bevor diese startklar für die nächste Saison wieder zahlreich und hörbar den See bevölkern.

Soll ich oder soll ich nicht?

Genau diese Frage stellte sich mir nach einem warmen, sonnigen Märztag mit 18° C Lufttemperatur, als ich überlegte, das kommende Wochenende Richtung Schwerin zu fahren. Ich soll, war die einfache Antwort. Leider ist die Wetterlage instabil, die Temperaturen sacken wieder in den einstelligen Bereich und Regenschauer kündigen sich an. Egal, Boot aufs Auto und los. Wird schon werden. Am späten Vormittag schließe ich meine Spritzdecke und steche von einem kleinen Campingplatz bei Rabensteinfeld aus in See, oder heißt es hier in den See? So viel anders als die heimische Flensburger Förde (die See) wirkt der Schweriner See gar nicht. Er ist mit einer Länge von über 20 km immerhin Deutschlands viertgrößter Binnensee. Und wenn der Wind auffrischt können seine Wellen nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich werden. Mehr als 4 Windstärken sind an diesem Wochenende nicht zu erwarten. Also rein ins Abenteuer Binnensee.

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Einmal um den Regierungssitz

Der Schweriner See ist geteilt in den Innen- und Außensee. Am Paulsdamm, so ziemlich in der Mitte, sind beide Seen miteinander verbunden. Der südliche Teil liegt direkt vor der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns, Schwerin. Als ich die kleine Bucht verlasse, liegen zwei Inseln vor mir, der Ziegelwerder und der Kaninchenwerder. Beide Inseln sind Naturschutzgebiet. Ziegelwerder darf nicht betreten werden. Nur in Notfällen darf der kleine Hafen durch Wassersportler angelaufen werden. Auf die Insel Kaninchenwerder hingegen gelangen Besucher mit Schiffen der »Weißen Flotte« und können dort sowohl Ruhe als auch einen schönen Blick auf Schwerin genießen. Natürlich will ich mir einen privilegierten Blick auf die Landeshauptstadt und das einmalig schöne Schweriner Schloss verschaffen. Schon nach wenigen Paddelschlägen kann ich das Schloss ausmachen, das tatsächlich einmalig schön am Seeufer liegt. Klar, dass ich auf Tuchfühlung gehen will. Also paddle ich genau auf das Schloss zu. Wenn es einen Wettbewerb gäbe, welcher deutsche Ministerpräsident den mondänsten Regierungssitz hat, Erwin Sellering, »Chef« von Mecklenburg-Vorpommern, dürfte sich beste Chancen auf den Spitzenplatz ausrechnen. Das Schloss liegt nicht nur grandios, es scheint auch wie aus dem Ei gepellt. Die goldene Kuppel und die Dachfirstverzierungen blinken in den leider nur spärlichen Sonnenstrahlen. Viele Jahrhunderte hatten hier mecklenburgische Herzöge das Sagen. Ursprung des heutigen Schlosses ist eine vor über tausend Jahren errichtete Burg. Es fanden immer wieder Umgestaltungen des Bauwerks statt. Zwischen 1845 und 1857 entstand das Schloss in seiner heutigen Form. Umfangreiche Renovierungsarbeiten nach der deutschen Wiedervereinigung verhalfen dem Schweriner Schloss zu seinem heutigen strahlenden Antlitz. Nicht zu Unrecht ist das Schloss auch als »Neuschwanstein des Nordens« bekannt. Ich verbuche nicht nur einen unverbauten Blick auf die schönste Immobilie am Schweriner See auf der Haben-Seite, sondern gönne mir auch noch eine Umrundung der Schlossinsel, ohne aus dem Boot aussteigen zu müssen. Nicht mal einen Kilometer misst der Kreis um die Insel, der unter zwei Brücken hindurchführt. Und weil es so schön ist, ziehe ich mein Kajak für eine Pause auf der benachbarte Marstall-Halbinsel an Land. Große Eindrücke schon nach einer Stunde Paddeln.

Text/Bilder: Jörg Knorr

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in Ausgabe 04/2014 des kajak-Magazins.

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