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Rio Cares in Asturien – Wildwasser in der »göttlichen Schlucht«

riocares1Wildwasser in Spanien ist teilweise noch recht unbekannt. Thomas Schmidt, der seit vielen Jahren dort lebt, stellt mit dem Rio Cares einen für Wildwasserpaddler sehr interessanten Fluss vor.

Die Schweiz des Südens

In Deutschland fast unbekannt, aber eines der schönsten Karstgebirge weltweit: die Picos de Europa. Dabei erstellte ausgerechnet der deutsche Geologe Wilhelm Schulz im Jahr 1855 die erste topografische Karte Asturiens und erkundete dabei gründlich die höchsten Erhebungen des Kantabrischen Gebirges. Die »Bergspitzen Europas« waren das Erste, was spanische Seefahrer nach ihren Eroberungszügen in Südamerika an der Nordküste Spaniens zu sehen bekamen. Und mitten durch das gewaltige Karstmassiv schneidet sich der Rio Cares seinen Weg und formt »La Garganta Divina« (die göttliche Schlucht). Nicht umsonst wird Asturien auch die Schweiz des Südens mit Meeresanschluss genannt, denn der 2.648 Meter hohe Torrecerredo liegt weniger als 20 Kilometer Luftlinie vom Kantabrischen Meer enfernt. Der bekannteste Berg aber ist der 2.519 Meter hohe Naranjo de Bulnes, die Einheimischen nennen »ihren« Berg allerdings liebevoll »Picu Urriellu«. Lange Zeit galt er als die bergsteigerische Herausforderung Spaniens und auch noch in der Gegenwart ist er einer der symbolträchtigsten Gipfel Spaniens. Schon 1918 wurde das Bergmassiv zum ersten spanischen Nationalpark (damals noch unter dem Namen Covadonga) erklärt und umfasst unter dem aktuellen Namen »Parque Nacional de los Picos de Europa« Gebiete der Regionen Asturien, Kantabrien und León. In Covadonga selbst brachte angeblich der asturianische König Pelayo um 722 den Mauren die erste Niederlage auf der Iberischen Halbinsel bei. Offiziell gilt Covadonga als Ort der Wiedereroberung Spaniens (La Recónquista).

Rio Cares: Auf 1.600 Metern Höhe bilden bei Posada de Valdeón in der Provinz León mehrere kleine Zuflüsse den Rio Cares. Dieser 54 Kilometer lange Fluss mit alpinem Charakter entwässert das Gebirge der »Picos de Europa«. Bei Panes mündet der Cares in den Rio Deva und bildet ab hier die natürliche Grenze zur Provinz Kantabrien.

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Wildromantische Schlucht

Leider ist der schönste, zwölf Kilometer lange Teil der Schlucht von Cain bis Poncebos innerhalb der Parkgrenzen verbotene Zone. Alle sportliche Aktivitäten sind dort untersagt (z.B. Canyoning, Mountainbike oder im Hochsommer durch das trockene Flussbett laufen). Nur als Wanderer hat man die Möglichkeit, die einzigartige Schönheit der oberen Schluchtstrecke zu erkunden. Ein in den Fels gehauener Pfad verläuft schwindelerregend hoch über dem rauschenden Cares (La ruta del Cares). Allerdings sollte man im Juli und August diese schöne Tour meiden, denn in den Sommerferien wandert scheinbar halb Spanien auf der Ruta del Cares. Man findet aber noch genügend andere interessante Wanderungen. Ein gut beschildertes Wegenetz und Berghütten innerhalb des Nationalparks ermöglichen mehrtägige Trekkingtouren durch eine bezaubernde Bergwelt. Auch Skitouren-Geher kommen voll auf ihre Kosten, bei guten Schneeverhältnissen gibt es einsame Hänge für lange Abfahrten, denn Skilifte sind im Nationalpark verboten. Unbedingt sollte auch der berühmte Blauschimmelkäse »Cabrales« probiert werden. In den Höhlen der umliegenden Berge reift der Käse monatelang heran, der den Namen der Region trägt…

Text/Bilder: Thomas Schmidt

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in Ausgabe 04/2014 des kajak-Magazins.

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