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CAPISTRANO FLIP – Selbstrettungstechnik nach Canadier-Kenterung

Eine Kenterung mitten auf einem See oder einem breiten, gemächlich dahinfließenden und übersichtlichen Fluss: das Wasser tief, das rettende Ufer weit entfernt – was nun? Für einen routinierten Canadierpaddler kein Problem, eine zügige Selbstrettung ist angesagt, z.B. mit einem Capistrano Flip oder Turning Flip. Wie man dabei vorgeht, beschreibt Armin Burzlauer, ACA Instructor Trainer und Inhaber der Kanuschule »canadierkurs.de«.

Ein Flip ist eine Selbstrettungstechnik, um nach einer Kenterung einen Solo- oder Tandemcanadier im tiefen Wasser, d.h. ohne Grundberührung, wieder zu entleeren. Zu Beginn der Rettung wird das Boot im Wasser kieloben gedreht. Bei einer Tandemrettung benutzt ein Paddler den Cowtail (engl. für Kuhschwanz) am Brustgurt seiner Schwimmweste, um diesen in eine der beiden Endleinen oder direkt am Boot einzuklinken. Durch diese Sicherung wird verhindert, dass der leere Canadier nach dem Flip in der Kielunten-Position vom Wind oder einer Windböe auf und davon geweht wird – das geht schneller, als man sich vorstellen kann...

Achtung: Festbinden gilt jedoch nur, solange man sich nicht in einer starken Strömung oder einem unübersichtlichen Fluss befindet! Ist kein Cowtail an der Schwimmweste vorhanden, kann auch eine der Endleinen in der Hand gehalten werden.

Capistrano Flip

Dann wird der Canadier auf einer Seite etwas angehoben und darunter geschwommen; gleichzeitig ist darauf zu achten, dass die andere Bootsseite nicht zu sehr im Wasser absinkt. Alternativ können die Paddler auch unter den Canadier in das Luftloch (sofern vorhanden) hineintauchen, ohne diesen seitlich anzuheben. Die Paddel werden entweder mit unter das Boot genommen und seitlich hinein gelegt, oder man lässt sie einfach neben dem Boot schwimmen. Einmal unter dem Boot, suchen sich die beiden Schwimmer zwischen den Sitzen und Duchten (= Streben) Platz für ihre Köpfe und positionieren die Hände links und rechts an den Süllrändern bei etwa Schulterbreite. Nun heben sie das Boot Stück für Stück an, um den Luftraum unter dem Boot zu vergrößern und die Süllränder möglichst weit aus dem Wasser heraus zu bekommen. Damit das Vakuum zwischen dem Canadier und der Wasseroberfläche überwunden werden kann, muss dazu eine Bootsseite leicht aus dem Wasser gehoben werden. Ist ein weiteres Anheben nicht mehr möglich, wird der Flip eingeleitet: Während der Luftspalt zwischen Canadier und Wasseroberfläche beibehalten wird, beginnen beide Schwimmer nach Absprache, Schwung durch »Pumpen« zu holen. Dieses Pumpen geschieht durch mehrmaliges senkrechtes Ab- und Auftauchen der Paddler. Nach dem letzten Auftauchen drücken beide das Boot über die Wasseroberfläche und rollen es in der Luft in eine aufrechte (kielunten) Position. Wird der Canadier weit genug aus dem Wasser geworfen, entleert sich dieser vollständig.

Der Flip mit einem Solocanadier erfolgt analog. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein Solocanadier sich besser flippen lässt, wenn man nicht mittig, sondern etwas weiter vorn anpackt. Sämtliche hier gezeigten Bilder sind ohne Grundberührung entstanden.

Turning Flip

Der Turning Flip ist eine Variation des Capistrano Flips und geeigneter für schwere Boote – aber auch für Paddler, denen es unter einem kieloben schwimmenden Boot unheimlich ist (Platzangst).

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Einen ausführlichen Bericht und weitere Tourenvorschläge lesen Sie in den Ausgaben 03/2009 des kajak-Magazins.

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